Musikalische Reflexe der Bauernaufstände - Konzert mit Möglichkeit zur Kirchenführung
Inzwischen schon 500 Jahre liegen die Ereignisse des Bauernaufstandes in Süddeutschland zurück. Mit der Niederschlagung der Aufständischen bei Ostheim am 7. Mai 1525 fand der mehrwöchige Aufruhr mit Plünderungen und Verwüstungen im Ries, um den Hesselberg und am Hahnenkamm ein Ende. Im schwäbisch-fränkischen Grenzraum waren die Ereignisse zwischen März und Mai 1525 prägend. Die Proteste, ihre unmittelbaren Konsequenzen und langfristigen Folgen sind unter dem Begriff „Bauernkrieg“ in die Geschichtsbücher eingegangen.
In dem Aufstand ging es um nicht weniger als eine frühe Forderung nach Freiheits- und Menschenrechten, die in den 12 Memminger Artikeln formuliert wurden. Doch wie definierten die Menschen des 16. Jahrhunderts Begriffe wie Freiheit und Gerechtigkeit? Welche Spuren sind bis heute vorhanden und aktuell? Diese Fragen bilden den Kern der Konzertreihe Musica Ahuse, die sich zum Gedenkjahr dem Thema der Bauernaufstände und ihren Auswirkungen auf die Gegenwart widmet.
In der romanischen Klosterkirche Auhausen finden seit mehr als 10 Jahren sehr erfolgreich Konzerte mit dem Focus auf alte Musik / Musik in historisch informierter Aufführungspraxis statt. Internationale Ensembles von höchster Qualität sind hier zu Gast. Zum Gedenkjahr 1525/2025 bietet Musica Ahuse besondere Konzertveranstaltungen:
Capella della Torre ʺSchwarze Spiegelʺ
Musikalische Reflexe der Bauernaufstände
28.06.2025, 19:30 Uhr
Katharina Bäuml ‑ Schalmei und Leitung
In den 1520er Jahren ‑ mit Höhepunkt 1525 ‑ bildete sich besonders im deutschsprachigen Raum eine Protestbewegung, die v.a. von Bauern getragen wurde. ʺSCHWARZE SPIEGEL ‑ Reflexe des Bauernaufstandesʺ ruft diese Bewegung und ihre blutige Unterdrückung ins Gedächtnis. Erasmus von Rotterdam schreibt im vierten Kapitel seines 1516 gedruckten Fürstenspiegels „Institutio principis Christiani“, „Die Erziehung des christlichen Fürsten“: „Man muss sich darum bemühen, möglichst wenig Steuern vom Volk zu erheben“, denn sonst könne „die überforderte Geduld des Volkes sich in einem Aufruhr Luft machen. Mit Blick auf die Situation zu Beginn des 16. Jahrhunderts war diese Warnung wohlbegründet: Die soziale Ungleichheit war enorm, und besonders die ländliche Bevölkerung ächzte unter der Last der Abgaben und Frondienste. Bereits in den vorausgegangenen Jahrzehnten war es aus diesem Grund immer wieder zu Protesten gekommen. Spätestens seit dem Auftreten von Johannes Hus in Böhmen und von Girolamo Savonarola in Florenz war die ökonomisch motivierte Revolte außerdem mit der Auflehnung gegen die Römische Kirche und deren Alleinvertretungsanspruch in Glaubensdingen verbunden. So kann es nicht überraschen, dass der Siegeszug der Reformation wesentlich zur Ausbreitung und den anfänglichen Erfolgen der „Bauernaufstände“ in den Jahren 1523 bis 1525 beitrug. Gleichzeitig wurde die Bewegung blutig unterdrückt. Mit der Niederschlagung der Bewegung wurde auch das kulturelle Umfeld der bäuerlichen Aufstände weitgehend ausgelöscht ‑ damit auch die mit ihnen verbundene Musik. Reflexe dieser Musik freilich haben sich erhalten, nicht zuletzt im „Volkslied“. Diese werden im Konzert der Capella de la Torre aufgegriffen und der reich überlieferten Musik der offiziellen Kultur der Zeit gegenübergestellt.
1,5 Stunden vor dem Konzert wird eine kostenlose Kirchenführung angeboten! (Anmeldung nicht erforderlich)